Anlagekommentar
Mai 2022
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Schweiz

Robuste Wirtschaft

Das KOF Konjunkturbarometer steigt nach einem Taucher unter den langfristigen Mittelwert im April wieder darüber. Der wichtige Vorlaufindikator für die Schweizer Wirtschaft nimmt von 99.2 auf 101.7 Punkte zu und übertrifft damit die Analystenerwartungen. Für diesen Anstieg sind die Bereiche Gastgewerbe und übrige Dienstleistung verantwortlich, während die Indikatoren für die Auslandsnachfrage am stärksten bremsen. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 2.5% sehr tief, was den Binnenkonsum stützt. Die Inflationsrate ist in den letzten Monaten deutlich gestiegen, bleibt aber im internationalen Bereich bescheiden. Ein wichtiger Grund dafür ist der Energiemix, da ein Grossteil des Schweizer Energieverbrauchs auf Wasser- und Nuklearenergie beruht. Dazu haben administrierte Preise ein hohes Gewicht im Konsumentenpreisindex. Die Kosten Elektrizität, Gas, öffentlicher Verkehr, Medikamente, Arzt- und Spitalleistungen werden vom Staat geregelt. Diese Preise werden zwar allmählich nach oben angepasst, aber nicht abrupt. Eine Rückkehr zu negativen Inflationsraten ist für längere Zeit unwahrscheinlich. Dies gibt der Schweizerischen Nationalbank die Möglichkeit, ein Ende der Negativzinsen einzuläuten.

Aktuelle Inflation (KOF)         + 1.9%
aktueller 3 Monats Saron    - 0.71%
BIP-Wachstum 2022                + 3%

Dino Marcesini, Partner

Unser Fazit: Die Schweizer Wirtschaft wird gemäss der KOF Konjunkturprognose in diesem Jahr um knapp 3% zunehmen – allerdings nur im günstigen Szenario. Sollte sich die Ukraine-​Krise ausweiten und es zu einem vollständigen Stopp aller russischen Energie-​ und Rohstoffexporte auch in die EU, einem Wegzug des Handels mit russischem Rohöl aus der Schweiz und einer deutlichen Aufwertung des Frankens kommen, verbliebe 2022 nur noch ein BIP-​Wachstum von einem Prozent. Die grossen, börsenkotierten Schweizer Unternehmen sind solide aufgestellt und international führend. Der Schweizer Aktienmarkt bleibt attraktiv.

Stand: 02.05.2022
Schweiz

Europäische Union

Europa - Zurückhaltende Erholung

Nach ersten Schätzungen ist das saisonbereinige Bruttoinlandprodukt (BIP) deutlich unter den Erwartungen in der Eurozone im ersten Quartal 2022 um 0.2% und in der Europäischen Union (EU) um 0.4% gestiegen.  Im vierten Quartal war das BIP im Euroraum um 0.3% und in der EU um 0.5% gewachsen.

Im Vergleich zum entsprechenden Quartal des Vorjahres, ist das saisonbereinigte BIP im ersten Quartal 2022 im Euroraum um 5.0% und in der EU um 5.2% gestiegen, nach +4.7% im Euroraum und +4.9% in der EU im Vorquartal.

Der Ukrainekrieg, die teuren Energiepreise, anhaltende Lieferengpässe und das Nachlassen des chinesischen Wachstums erschüttern die relativ offene europäische Wirtschaft beträchtlich und haben den Wachstumsausblick eingetrübt.

Die seit November letzten Jahres immer wieder vorgebrachte These von der kurzbevorstehenden Spitze in der Inflationsentwicklung hat sich bisher stets als falsch erwiesen. Die Gesamtinflationsrate in der Eurozone stieg im April auf 7.5%. Eine derart hohe Inflation gab es in Europa vielerorts nicht mehr seit den 1980er Jahren.

Im April hat sich das Eurozone-Wirtschaftswachstum wieder beschleunigt. Der Aufschwung des Servicesektors hat dabei die annähernde Stagnation in der Industrie überkompensiert. Der S&P Global Flash Eurozone Composite PMI legte binnen Monatsfrist um 0.9 Punkte auf 55.8 – höchster Wert seit letztem September - zu. Insbesondere das höhere Plus im Auftragseingang deutet auf eine Nachfragebelebung innerhalb der Eurozone hin.

Aktuelle Inflation (EZB/HICP)  + 7.5% (04.22)
aktueller 3 Monats Euribor     - 0.429%
BIP-Wachstum  2022               + 2.8% (E)

Daniel Beck, Mitglied der Geschäftsleitung

Unser Fazit: Der IWF rechnet in seiner neuesten Prognose 2022 für die Eurozone nur noch mit einem Wachstum von 2.8% - eine Herabstufung der Januarprognose um 1.1 Prozentpunkte. In Deutschland, der grössten Volkswirtschaft Europas, soll das BIP demnach neu um 2.1% wachsen, 1.7 Prozentpunkte weniger als im Januar angenommen.

Erfreulicherweise zeigen die seit Februar veröffentlichten Konjunktur- und Stimmungsindikatoren klar eine anhaltende wirtschaftliche Erholung an. Ein robustes und breitabgestütztes Wachstum wird durch die Einkaufsmanagerindizes signalisiert. Die Unternehmen sind weiterhin zuversichtlich und die angehäuften Ersparnisse, die wachsende Beschäftigung, Fiskalimpulse der Regierungen sowie die Aufhebung der Corona Restriktionen werden den Servicesektor stützen.

Im 1. Quartal hat sich gezeigt, dass die Rekordinflationsraten (7.5%) den Konsum stark belasten. Die Inflationsrate hat sich jedoch im April erstmals seit langem stabilisiert, weil die Energiepreise nicht mehr weiter angestiegen sind. Falls sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzt bzw. die Inflation leicht zu sinken beginnt, sollte sich dies positiv auf den Konsum auswirken.

Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die geldpolitische Normalisierung zu beschleunigen, hat sich nochmals deutlich erhöht. EZB-Chefin Lagarde hat eine Anhebung der Zinsen im Euroraum im Sommer in Aussicht gestellt. Das mehrjährige Experiment mit Negativzinsen sollte bald ein Ende finden. Einige Ökonomen erwarten nun vier EZB-Zinserhöhungen in Folge, beginnend im Juli. Jedoch geht man davon aus, dass schon bei einem Zinssatz von 1.0% Schluss sein wird.

Stand: 02.05.2022
Europäische Union

United Kingdom

USA

Gelingt Powell eine sanfte Landung?

Die amerikanische Zentralbank (Fed) hat, wie von ihrem Vorsitzenden, Jerome Powell, kürzlich angedeutet, die Leitzins Fund Fund Rate an seiner Sitzung vom 3.-4. Mai um 0.5 % auf ein Zielband von 0.75-1% erhöht. Der Markt erwartet weitere Zinserhöhungen für die nächsten Sitzungen und einen Zinssatz von 2.5% bis zum Jahresende, was einem neutralen Niveau des Leitzinses entsprechen würde.

Mit einer Inflation von 8.5% im März (die Aprilzahlen werden erst um den 10.5. publiziert), welche einen Höchststand seit vier Jahreszehnten darstellt, bleibt den Währungshütern auch nicht viel anderes übrig. Es wird zwar erwartet, dass der März einen Höchststand markierte und sich die Inflationsraten bedingt durch die Basiseffekte in den kommenden Monaten allmählich zurückbilden. Für eine merklich nachlassende Inflation läuft der Arbeitsmarkt derzeit mit seinen 5.3 Mio. unbesetzten Stellen aber zu heiss. Auch helfen die durch die Null Covid Strategie von China fortwährenden Lockdowns und damit zusammenhängenden in nächster Zeit wohl andauernden Lieferkettenproblemen nicht für ein Nachlassen des Preisdrucks. Zusätzlich hat das Fed angekündigt, die während der Pandemie auf USD 9 Bio. ausgeweitete Fed Bilanz monatlich ab Juni um USD 47.5 Mrd. und ab September um USD 95 Mrd., abzubauen. Dies solle aber nicht durch Verkäufe, sondern durch nicht Wiederanlage von auslaufenden Papieren umgesetzt werden.

Der S&P Global US Composite PMI für April 2022 lag bei 55.1 Indexpunkten, was ein Rückgang gegenüber dem Vormonat von 2.6 Indexpunkten bedeutet. Die Abschwächung war vor allem auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen. Damit befindet sich der Indexwert immer noch komfortabel über dem Referenzwert von 50, welcher eine expandierende Wirtschaft in 6 Monaten indiziert.

Von den 55% der S&P 500 Unternehmen, die bereits ihre Ergebnisse für das erste Quartal 2022 publizierten, haben 80% höhere Gewinne je Aktie und 72% höhere Umsätze als erwartet erzielt. Das durchschnittliche Gewinnwachstum lag bei 7.1%, also höher als die Ende März 2022 erwarteten 4.7%. Basierend auf dem erwarteten Gewinn in den nächsten 12 Monaten, beträgt das Kurs-/Gewinn Verhältnis des S&P 500 18.1. Dies ist 0.5 niedriger als der 5 Jahresschnitt und 1.2 mehr als der 10 Jahresschnitt.

Das BIP der USA ist im 1. Quartal überraschend um 1.4% gesunken. Dies hatte vor allem mit dem Lagerabbau und dem steigenden Handelsbilanzdefizit zu tun. Ohne diese Effekte ist das BIP um 2.6% gewachsen. Der IWF schätzt in seiner April Prognose das US Wachstum auf 3.7% im 2022 und auf 2.3% im 2023. Der durch die Pandemie aufgestaute Konsumbedarf, sowie die historisch hohen Überschüsse der privaten Haushalte, werden der Wirtschaft in den kommenden Monaten positive Impulse geben.

Inflation 2022 (E) IWF:        7.6%
BIP 2022 IWF:                      3.7%
Aktueller Fed Fund Rate:   1%

Dr. Patrick Huser, CEO

Unser Fazit: Die Unsicherheiten betreffend Inflationsentwicklung und restriktiverem geldpolitischen Kurs, lassen die Risikoprämien für Aktienanlagen steigen. Das Wirtschaftswachstum bleibt robust und steigende Unternehmensgewinne stützen die aktuelle Marktbewertung.

Stand: 02.05.2022

China

Unsicherheit überwiegt

Im 1. Quartal ist die Wirtschaft mit 4.8% leicht besser gewachsen als erwartet. Allerdings haben rigorose Corona-Eindämmungsmassnahmen in den vergangenen Wochen zu grösseren Einbussen geführt, so dass der Start ins 2. Quartal missraten ist. Der PMI Composit Index, welcher die Gesamtwirtschaft abbildet, ist auf 42.7 Punkte gesunken und notiert auf Tiefstständen. Aber im Gegensatz zu den westlichen Volkswirtschaften vollführt China eine geldpolitische Lockerung und hat damit eine andere Ausgangssituation. Während im Westen die Zinsen steigen und die Geldmenge reduziert wird, kann China eine expansive Geldpolitik verfolgen. Es gibt auch kein akutes Inflationsproblem wie im Westen, da sich die Kerninflation im März bei gut 1% bewegte. Als weltgrösster Importeur von Öl und Agrargütern kann sich China den Preisentwicklungen nicht ganz entziehen, doch bleiben die prognostizierten 3%-Inflationsraten im internationalen Vergleich tief. In den vergangenen 2 Jahren wurden die Staatsausgaben begrenzt und einige Reformen angestossen. In diesem Jahr hat die Regierung genügend Spielraum die Wirtschaft mit verschiedenen Massnahmen zu unterstützen. Es werden Steuern- und Gebührensenkungen für Unternehmen geprüft. Lokale Regierungen sollen die Ausgaben für Infrastrukturprojekte erhöhen. Auch Lockerungen der Restriktionen im Immobilienbereich sind denkbar. Die Auswirkungen der Omicron-Welle und das Festhalten an der Null-Covid-Politik zusammen mit den Lockdowns, hemmen das Wirtschaftswachstum.

Dino Marcesini, Partner

Unser Fazit: Im Ukrainekonflikt nimmt China mit seinen Solidaritätsbekundungen zu Russland eine gefährliche Haltung ein und sorgt für grosse Verunsicherung bei internationalen Investoren. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind momentan begrenzt, da das Land nur indirekt betroffen ist. Marktbeobachter erwarten immer noch, dass die Wirtschaft in diesem Jahr mit knapp 5% wachsen wird. Die Börsenkurse haben bereits stark korrigiert und die Bewertungen sind tief, was die derzeit hohen politischen Risiken widerspiegelt.

Stand: 02.05.2022

Japan

Positiver Trend im Jahr 2021, ist dieser nachhaltig?

Die Prognose des IMFs für das Wachstum des realen BiP für das Jahr 2022 ist 2.39% gegenüber dem Vorjahr 2021 war dies 1.62% und wird nach 2022 wieder deutlich sinken. Das starke Wachstum in den zwei Jahren ist durch die politische Unterstützung in Form eines massiven Konjunkturbelebungsprogramms im Wert von ca. EUR 400 Mrd. und dem Pandemieeffekt (hohe Impfraten und Aufholeffekt zum Beispiel beim privaten Konsum) begründet. Viele Parameter wie zum Beispiel der schwache Yen (gut für die Wirtschaft), steigende Inflationserwartungen (Japan leidet seit zwei Jahrzehnten unter Deflation) und einem Aktienmarkt, der weniger gesunken ist als amerikanische und europäische Aktien.  

Dem gegenüber zu stellen ist, dass wie im Rest der Welt, dieses Wachstum durch die geopolitische Lage  und die Versorgungsengpässe bedroht wird. Zusätzlich muss die neue Regierung tiefgreifende Reformen durchführen, um mit den Problemen der letzten Jahre aufzuräumen.

Um die Versorgung mit Energie sicherzustellen, hält die japanische Regierung an Projekten mit Russland fest und schlägt bis jetzt nicht den Weg der Alternativen ein. Spannend wird in den nächsten Monaten sein, welcher Effekt überwiegt und ob die Prognose des IMFs richtig ist, dass das reale BiP nach 2023 wieder fällt. 

Mimi Haas, Lic. Rer.pol. HSG, M.A. in Banking and Finance HSG, Partner

Unser Fazit: Basierend auf der Unsicherheit, welche oben beschrieben wird, ist für ausländische Investoren der japanische Aktienmarkt im Moment nicht attraktiv. 

Stand: 02.05.2022

Schwellenländer

Ungleiche Entwicklung

Die Stimmung der Konsumenten und Unternehmen im osteuropäischen Raum hat sich gemäss den jüngsten Umfragen stark getrübt. Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine werden sich in diesem Quartal stark auf die Konjunkturdaten niederschlagen. Die hohe Unsicherheit, höhere Zinsen und Preise schmälern die Kauflust der Konsumenten. Störungen der Liefernetzwerke und nachlassende Auftragseingänge belasten die Industrie. Auch die Einkaufsmanagerindizes der Schwellenländer haben sich verschlechtert, notieren aber nach wie vor im Wachstumsbereich. Osteuropa leidet unter dem Krieg in der Ukraine. In Asien hemmt China mit der Null-Covid-Strategie das Wachstum. Die Lage in Lateinamerika hat sich hingegen verbessert. Die hohen Inflationsraten zwingen aber die meisten Notenbanken die Zinsen zu erhöhen und hemmen so tendenziell die Wirtschaft.

Dino Marcesini, Partner

Unser Fazit: Der starke USD belastet viele Schwellenländer, welche Schulden in USD aufgenommen haben. Die Inflationsraten sind in einigen Ländern ausser Kontrolle, zum Beispiel in der Türkei. Die Störungen der Liefernetzwerke, höhere Rohstoffpreise und höhere Zinsen sprechen gegen ein Engagement in Schwellenländern.

Stand: 02.05.2022
Schweiz

Aktien

Gibt es Licht am Ende des Tunnels?

Die Aktienmärkte der USA, Europas, Chinas und Japans haben im bisherigen Jahresverlauf zweistellige Verluste verzeichnet, und im Jahr 2022 haben die globalen Aktienmärkte in USD bisher 13% verloren. Unter dem Druck höherer Zinsen und eines sich verlangsamenden Umsatzwachstums haben die meisten Technologiewerte, die in den Jahren 2020 und 21 die Portfolios in die Höhe trieben, sogar übermässig nachgegeben. Kürzlich meldeten die USA für das erste Quartal 2022 einen Rückgang des realen BIP um 1.40% auf Jahresbasis, den ersten Rückgang seit 2020. Dieser Rückgang ist mit den Ergebnissen von E-Commerce Plattformen (zB. Amazon) konsistent und dürfte daher kein Zufall sein. Der Krieg in der Ukraine verschärft seinerseits den durch Covid ausgelösten Inflationsdruck. Er dürfte zu weiteren Engpässen bei der Versorgung mit Rohstoffen führen, von Energie über landwirtschaftliche Produkte bis hin zu seltenen Metallen. Die Nachricht, dass Russland die Erdgasexporte zu seinen osteuropäischen Handelspartnern einstellt, wird mittelfristig die Knappheit und den wirtschaftlichen Schaden noch verschlimmern. Die Dringlichkeit, Gasimporte durch Flüssigerdgas (LNG) zu ersetzen, ist ein Beispiel dafür. Dies sind herausfordernde Entwicklungen für die Wirtschaft und für die Aktienmärkte. In all dem mag trotzdem ein bisschen Positives stecken: Eine geringere Güter- und Dienstleistungsnachfrage und tiefere Handelsströme als noch kürzlich erwartet, können zu einer niedrigeren Inflation und somit zu einem moderateren Straffungszyklus der Fed führen. Dies kann gleichzeitig mit der Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums einhergehen. Das wäre eine klare Unterstützung für die Aktienmärkte.

Selbst bei stabilen Gewinnerwartungen sind die PE Multiplikatoren des S&P 500 im letzten Jahr um 15% gesunken. Und wenn wir uns die Bewertungen ausserhalb der USA ansehen, entsprechen die aktuellen Multiplikatoren sogar den historischen Normen. Wenn die Anleger eine Stabilisierung der Zinsen ausmachen können und es nicht zu einer Rezession kommt,  besteht die Möglichkeit, dass die Aktien zu einer Erholung vor allem bei den Wachstumsunternehmen ansetzen. Dann dürften Sektoren wie Fintech, saubere Energie, Elektrofahrzeuge und Biotech aufgrund ihres Wachstums und ihrer langfristigen Wertschöpfung wieder höhere Beachtung kriegen. Mit dem richtigen Kauftiming bieten die erheblichen Ausverkäufe bei den Branchenführern in diesen Themenbereichen seltene Gelegenheiten, Engagements zu vernünftigeren Bewertungen einzugehen. Die chinesischen Aktienbewertungen haben bereits die historischen Tiefststände von 2008 erreicht und bieten auf diesem Niveau ein begrenztes Abwärtsrisiko. Um das Vertrauen in die Gewinnaussichten chinesischer Unternehmen wiederherzustellen, bedarf es aber mehrerer wichtiger Bedingungen: Dazu gehören die Beendigung von Lockdowns, eine weitere Abwertung des CNY zum USD und einer Klarstellung, dass der politische Übergang zum 20. Parteikongress planmässig verläuft. Dies könnte bis zum 4. Quartal 2022 dauern. Bis dahin werden die Bewertungen wahrscheinlich auf einem bedenklich tiefen Niveau bleiben.

Rico Albericci, CEFA

Unser Fazit:

Sobald der Zinshöhepunkt erreicht ist, werden die Märkte sich stabilisieren und zu den Kernthemen zurückkehren (Trends, Umwelt, Innovation). Die inflationsberuhigenden Massnahmen dürften nun abgeschwächt werden. Unser Modell (CAIB) zeigt gesamtheitlich und kurzfristig auf diesem Niveau eine leicht positive Tendenz von +0.03 bei einer Spanne von -1 und +1 an. Auf 12 Monate weist der CAIB mit +0.10 ein positiveres Chancenprofil aus. Kurzfristig setzten wir auf Titel mit einer höheren Dividende, die auch in den Folgejahren gehalten oder gesteigert werden können, sowie Aktien, die der Value Strategie entsprechen. Bei einer Sicht von 12 Monaten raten wir zum Zukauf der Wachstumsaktien der Branchenführer, die in diesem Jahr einem Ausverkauf ausgesetzt waren. Kurz- wie langfristig sehen wir ein Chancenplus bei den europäischen Werten aufgrund der tiefen Bewertung.

Stand: 02.05.2022
Quelle: Chefinvest AG, Zürich, Market Map

Zinsen

Anleihen: Inflation und Konflikt in der Ukraine belasten

Staatsanleihen (unattraktiv)

Die geopolitische Unsicherheit hält an. Doch die weltweit hohe Inflation und die Erholung nach COVID-19 dürften in vielen Regionen im Laufe der Zeit zu höheren nominalen Benchmarkrenditen führen. Die US-Notenbank hat klargestellt, dass sie bereit ist, die Zinssätze aggressiv anzuheben, um die Inflation einzudämmen. Viele andere Zentralbanken bewegen sich in die gleiche Richtung. Höhere Realrenditen stellen ein erhebliches Risiko für Anleihen und andere Märkte dar.

Unser Fazit: Die Fed hat noch Spielraum, die Zinsen anzuheben. Sie könnte aufgrund der soliden Wachstumsaussichten und der hohen Inflation gezwungen sein, das Tempo der Straffung zu beschleunigen. Deshalb kurze Duration. In Europa und in der Schweiz ist das Wachstum durch den Konflikt in der Ukraine stärker beeinflusst. Die Zinsen sind seit anfangs Jahr schon stark gestiegen.

Investment-Grade-Anleihen (neutral)

Diese Robustheit der Spreads bedeutet jedoch keine sofortige Rückkehr zur Spreadverengung. Die Sorge gilt immer noch dem Extremrisiko eines beschleunigten Liquiditätsentzugs in Verbindung mit schwachen Wachstumserwartungen und geopolitischer Unsicherheit. Dies könnte eine Ausweitung der Kreditspreads auslösen, z.B. einen Anstieg der Rendite von US-BBB-Werten auf über 250 Bp. Ausgewählte inlandsorientierte europäische IG-Hybridanleihen mit kurzfristigen Kündigungsfristen und defensive US-Kredittitel dürften widerstandsfähiger sein.

Unser Fazit: Die geopolitischen Risiken erhöhen die Schwankungen, sodass wir dieses Segment mit neutral bewerten.

High-Yield-Anleihen (neutral)

Wir bleiben bei unserer neutralen Einschätzung und rechnen mit Spreads im Bereich von 420–440 Bp., mit der Möglichkeit einer taktischen Verengung. Ein Abverkauf an den Kreditmärkten beginnt in der Regel mit einer höheren Volatilität, die zu einer Neubewertung der Kreditrisikoprämien führt, worunter zuerst IG-Anleihen stärker leiden. Die zweite Etappe des Abverkaufs ist stärker von Zahlungsausfällen geprägt. Dies betrifft vor allem HY-Werte, da sich die Kreditwürdigkeit verschlechtert und die Finanzierung schwieriger wird. Im Extremrisikoszenario würden wir annehmen, dass die Renditen von US-HY-Anleihen schnell über 500 Bp. steigen könnten.

Unser Fazit: Obwohl die Spreads von HY-Anleihen noch 60 bis 80 Bp. ansteigen können, ist das Zinsrisiko aufgrund des aktuellen Zinsrenditeniveaus beschränkt, neutral.

Schwellenländeranleihen in Hartwährungen (neutral)

Die derzeit hohe Rendite des JP Morgan Emerging Market Bond Index Global (6.6% Rendite auf Verfall) bietet zusammen mit den immer noch erhöhten Spreads einen interessanten Renditevorteil gegenüber US-Treasuries, um die Risiken zu kompensieren. Viele EM-Zentralbanken haben ihre Zinssätze bereits angehoben. Daher ist davon auszugehen, dass die Erträge von EM-Anleihen in der Lage sein werden, höheren 10-jährigen US-Renditen standzuhalten. Die Risiken im Hinblick auf die geopolitische Situation und einen über Erwarten deutlichen Anstieg der US-Zinsen bestehen jedoch weiter.

Unser Fazit: Die Renditen sind zwar weit genug angestiegen, aber auch die Risiken. Deshalb bewerten wir diese Anlagekategorie im Augenblick mit neutral.

Maria Albericci

Stand: 02.05.2022
Quelle: Chefinvest AG, Zürich, Market Map

Währungen

Dollar/Euro/Franken bald Parität?

Die Währungen stehen weiterhin im Spielfeld der geopolitischen Lage und der Zentralbanken. Es gibt keine grundlegende Änderung seit dem AKS am Jahresanfang.

EUR/USD (aktuell 1.05)

Der Euro fällt weiterhin gegenüber dem Greenback, der als ein sicherer Hafen gilt. Die FED wird dieses Jahr die Zinsen deutlich anheben, was Investoren wieder neue Anlagemöglichkeiten in USD bescheren wird.

Unser Fazit: Die erwartete Zinsdifferenz und die geopolitische Lage stärken den Dollar weiterhin.

EUR/CHF (aktuell 1.02) 

Die SNB hat begonnen leicht zu intervenieren. Allerdings ist zu sagen, dass es ein Vorteil ist für die Schweizer Wirtschaft eine eigene und unabhängige Währung zu haben. Der sichere Hafen Effekt und die Aufwertungstendenzen wirken der Inflation entgegen und dies ist Gold wert. So ist die Inflation in der Schweiz im Moment um die 2.4%. Darum hat die SNB die Aufwertung auch bis zu einem bestimmten Grad zugelassen. Wichtig ist, dass sich der Franken marktnahe, d.h. bestimmt durch Angebot und Nachfrage, bewegen kann. Eine grosse Rolle wird die Zinspolitik in Europa spielen.

Unser Fazit: Die Frankenstärke wird anhalten im jetzigen Umfeld.   

USD/CHF (aktuell 0.97) 

Weiterhin stark zeigt sich der USD gegenüber dem CHF. Die hartnäckige und hohe Inflation in den USA zwingt die US-Notenbank zusehends zu einer früheren und stärkeren geldpolitischen Straffung, und beschert Investoren wieder neue Anlagemöglichkeiten in USD.

Unser Fazit: Wir gehen davon aus, dass dies weiterhin so bleibt.

Mimi Haas, Lic. Rer.pol. HSG, M.A. in Banking and Finance HSG, Partner

Stand: 02.05.2022
Quelle: Chefinvest AG, Zürich, Market Map

Öl

Die Karten werden neu verteilt

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat im April ihre Schätzungen zur Erdölnachfrage für dieses Jahr um 260’000 auf 99.4 Mio. Fass pro Tag gesenkt. Gründe hierfür sind vor allem eine erwartete Wirtschaftsabschwächung in China infolge der andauernden Lock-Downs. Bei der Ölproduktion wird infolge der Sanktionen gegen Russland ein Rückgang von netto von 500'000 Fass pro Tag gerechnet. Angebotsseitig helfen derzeit vor allem die von den USA Ende März beschlossene Freigabe von insgesamt 180 Mio. Fass aus den strategischen Reserven. Es werden über ein halbes Jahr lang 1 Mio. Fass pro Tag zur Verfügung gestellt. Im weiteren ist davon auszugehen, dass sich die Lieferketten neu formatieren und Schwellenländer mehr (günstigeres) Öl aus Russland abnehmen werden. Die Ölpreise der Sorte Brent und WTI haben sich in den letzten Wochen knapp über 100 USD eingependelt.

Dr. Patrick Huser, CEO

Unser Fazit: Die leichten Rückgänge des Angebotes und der Nachfrage halten sich derzeit in etwa die Waage. Wir gehen nach wie vor von einer Beruhigung der Versorgungslage in den nächsten Monaten und in der zweiten Jahreshälfte von Ölpreisen von deutlich unter 100 USD pro Fass aus.

Stand: 02.05.2022
Quelle: Chefinvest AG, Zürich, Market Map

Edelmetalle

Goldpreis unter Druck

Die Aussichten über kommende Massnahmen betreffend Zinserhöhungen der US-Notenbank liessen den Goldpreis zur Zeit auf knapp 1'860 USD je Unze sinken. Auch der erstarkte USD hilft dem Gold zur Zeit nicht, negative Realrenditen stützen es.

Platin steht auch leicht schwächer da bei ca. 932 USD je Unze und muss weiterhin auf wieder besser funktionierende Lieferketten bei den Autozulieferern hoffen.

Andreas Betschart, Business Manager

Unser Fazit: Wir erwarten in den nächsten Monaten leicht volatile Goldpreise mit einer Handelsspanne von 1'830 bis 2’030 USD je Unze.
Platin sehen wir in den nächsten Monaten weiterhin in einem Preisband von 900 bis 1'100 USD pro Unze.

Stand: 02.05.2022
Quelle: Chefinvest AG, Zürich, Market Map

Begrifferklärungen

bbl: 1 Barrell = 158,987294928 Liter
Bp:
Basispunkte
BIP: Bruttoinlandprodukt
BIZ: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist eine Internationale Organisation des Finanzwesens. Eine Mitgliedschaft ist Zentralbanken oder vergleichbaren Institutionen vorbehalten.
CAIB:
Der CAIB basiert auf einer von Chefinvest entwickelten gewichteten Multifaktorberechnung, die anhand eines Scoringmodells laufend bewertet wird. Die Bandbreite beträgt -1 bis +1. Ein Minuswert deutet zukünftig auf eine höhere Wahrscheinlichkeit schwächerer Aktienrenditen hin und umgekehrt.
EM-Anleihen:
Anleihen von Schwellenländern. Ein Schwellenland ist ein Staat, der traditionell noch zu den Entwicklungsländern gezählt wird, aber nicht mehr deren typische Merkmale aufweist.
HY-Anleihen: Festverzinsliche Wertpapiere schlechterer Kreditqualität. Sie werden von den Ratingagenturen als BB+ oder schlechter eingestuft.
IG-Anleihen: Investment Grade Anleihen sind sämtliche Anleihen, die mit einer guten bis sehr guten Bonitätsnote (Rating) versehen sind. Als Investment Grade Bereich gelten die Rating Klassen AAA bis BBB-.
IHS Markit: Börsenkotiertes Dateninformationsdienstleistungsunternehmen
IWF: Der Internationale Währungsfonds (International Monetary Fund auch bekannt als Weltwährungsfonds) ist eine rechtlich, organisatorisch und finanziell selbständige Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in den USA.
KOF: Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich
LIBOR: London Interbank Offered Rate ist ein in London an allen Bankarbeitstagen unter bestimmten Bedingungen ermittelter Referenzzinssatz, der unter anderem als Grundlage für die Berechnung des Kreditzinses heran-gezogen wird.
OPEC:
Organisation erdölexportierender Länder (von englisch: Organization of the Petroleum Exporting Countries)
OPEC+: Die Kooperation mit Nicht-OPEC-Staaten wie Russland, Kasachstan, Mexiko und Oman.
oz: Die Feinunze wird für Edelmetalle als Masseinheit verwendet und entspricht 31,1034768 Gramm.
Saron: Der Swiss Average Rate Overnight ist ein Referenzzinssatz für den Schweizer Franken.
Seco: Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft
Spread: Differenz zwischen zwei vergleichbaren ökonomischen Grössen
Tona rate: Der Tokyo Overnight Average Rate oder Japanese Yen Uncollateralized Overnight Call Rate ist ein unbesicherter Interbanken-Übernachtzinssatz und Referenzzinssatz für den japanischen Yen.
WTI: West Texas Intermediate. Hochwertige US-Rohölsorte mit einem geringen Schwefelanteil

Disclaimer:

Die Informationen und Meinungen wurden von der Chefinvest AG produziert und können sich stets ändern. Der Bericht wird einzig zu Informationszwecken publiziert und ist weder ein Angebot noch eine Aufforderung, zum Kauf oder Verkauf irgendwelcher Wertpapiere oder einer spezifischen Handelsstrategie in irgendeiner Rechtsordnung. Er wurde ohne Berücksichtigung der Zielsetzungen, der finanziellen Situationen oder der Bedürfnisse eines bestimmten Anlegers erstellt. Obwohl die Informationen aus Quellen stammen, die Chefinvest AG für zuverlässig hält, wird keine Zusicherung gegeben, dass diese Informationen richtig und vollständig sind. Die Chefinvest AG übernimmt keine Haftung für Verluste, die aus dem Gebrauch dieses Berichtes entstehen. Die Kurse und Werte der beschriebenen Investitionen und die Erträge, die möglicherweise anfallen können, schwanken, steigen oder fallen. Nichts in diesem Bericht ist rechtliche, buchhalterische oder steuerliche Beratung oder eine Zusicherung, dass eine Anlage oder eine Strategie den persönlichen Umständen angemessen ist oder eine persönliche Empfehlung für spezifische Anleger. Die Devisenkurse und die Fremdwährungen können sich negativ auf den Wert, Preis oder Ertrag auswirken. Investitionen in Schwellenmärkte sind spekulativ und bergen ein beträchtlich höheres Risiko als Investitionen in etablierte Märkte. Die Risiken sind nicht notwendigerweise beschränkt auf: Politische und wirtschaftliche Risiken, sowie Kredit-, Währungs- und Marktrisiken. Die Chefinvest AG empfiehlt Anlegern, eine unabhängige Beurteilung der spezifischen finanziellen Risiken sowie der juristischen, kreditmässigen, steuerlichen und buchhalterischen Konsequenzen. Weder dieses Dokument noch eine Kopie davon dürfen in den Vereinigten Staaten und/oder in Japan versendet werden und sie dürfen auch keinem amerikanischen Staatsbürger ausgehändigt oder gezeigt werden. Ohne die Genehmigung der Chefinvest AG darf dieses Dokument weder ganz noch teilweise reproduziert werden.

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